„Wir haben Klischees zu bedienen“

Letzter Jour Fixe vor der Sommerpause bot XXL-Programm

„Dieses Lied habe ich mir kürzlich selbst ausgedacht und, weil ich es so schön fand, möchte ich es nochmal hören. Deshalb spiele ich es jetzt“, scherzte Theo Theissen und spielte am Clavinova ein Werk, das von großer Musikalität zeugte. Der pianistische Autodidakt spielte außerdem mit viel Virtuosität Boogie Woogies, Ragtime und Stücke aus den 20er Jahren. So erntete er große Anerkennung beim Publikum, welches diese mit reichlich Applaus unterstrich.

Als „Pech Haben“, Inhaber einer Zeitarbeitsfirma, stellte sich Kabarettist Andreas Tristram zum ersten Mal einem Publikum vor und präsentierte Teile aus seinem Solo-Programm „Die Hoffnung ist tot“. „Mit Hartz-IV-Empfängern kann’se kein Geld verdienen. Ist doch besser, ich gebe die Arbeitskraft, sagen wir mal, meinem Bruder, der eine eigene Firma hat. Für zwanzig Euro die Stunde. Davon gebe ich dem Arbeiter 6,50 Euro. Bei 100 Arbeitern, wat meinen’se wat da zusammenkommt!“ Bissig stellte er den vorherrschenden Umgang mit Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern dar.

Mit seiner Diabolo-Jonglage vom allerfeinsten heimste Martin Niehuis einen Szenenapplaus nach dem anderen für sich ein. Scheinbar magisch, als seien die Gesetze der Physik für einen Moment ausser Kraft gesetzt, bewegte er die Halbkugel-Diabolos über das zwischen den Handstöcken gespannte Seil und wirbelte sie durch die Luft.

Mona Ehlen, Mona Theyssen und Frederik Theyssen brachten instrumentale Songs und Gesangsstücke auf die Bühne. So z. B. „Nothing else matters“ von Metallica. Mit Piano, E-Gitarre und die Melodie-Linie auf der Violine gespielt entstand ein nicht alltäglicher, doch interessanter Sound, der dem Rock-Klassiker neues Leben einhauchte.

Da sich die „Silver Falcons“, aufgrund eines weiteren Auftritts vor dem Jour Fixe, etwas verspäteten, überbrückte vor der Pause Theo Theissen mit seinen Klavierkünsten.

Dann endlich waren sie da: Marco Launert und Christin Bastijans präsentierten Songs wie „Wicked Game“ von Chris Isaak oder „Perhaps, perhaps, perhaps“, das der Kubaner Osvaldo Farrés 1947 in spanisch (Quizás, quizás, quizás) schrieb und welches schon von Nat King Cole oder Doris Day interpretiert wurde. Dabei bestach nicht nur die von Marco Launert routiniert virtous gespielte Gitarre, sondern vor allem die ausdrucksstarke Stimme von Christin Bastijans. Bastijans versteht es ausgezeichnet, die Emotionen eines Songs über ihre Stimme zu transportieren. Trotz der Zugabe „Nobody’s Wife“ von Anouk war der Auftritt der beiden viel zu schnell vorüber.

Doch wurde das Publikum von einem weiteren Highlight belohnt: Tribe Mayura, die mit „Tribal Style“ Tänze, vorwiegend aus dem orientalischen Raum, auf die Bühne brachten. Ein Augenschmaus, den man gesehen haben muss. Da die Damen sich für den zweiten Teil ihrer Vorführung umziehen mussten, kam Kabarettist Andreas Tristran ein weiteres Mal auf die Bühne. Diesmal als besoffener Hartz-IV-Empfänger, der sich über das Bild, dass die öffentliche Meinung von Hartz-IV-Empfängern hat, aufregte. „Wir haben Klischees zu bedienen. Ich habe mich gefälligst in der Öffentlichkeit negativ auffallend zu verhalten.“ Ein Beitrag, der weniger zum Lachen anregte, jedoch nachdenklich stimmte, was auch durchaus das Ziel des Künstlers war.

Nach einem weiteren Intermezzo durch Theo Theissen am Piano, brachten „Tribe Mayura“ den zweiten Teil ihres Programms. Natürlich wurden auch sie vom begeisterten Publikum nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen.

Das umfangreiche und äußerst abwechslungsreiche Programm dieses Abends verlangte ausgeprägtes Sitzfleisch beim Publikum, denn das Ende war erst gegen 23 Uhr.

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