Vom Jazz-Keller zum Rockkonzert

Mit Neuem und und Alt-Bekanntem geht der Jour Fixe im Februar und März in die letzte Runde für diese Saison. Am 7. Februar sind dabei:

Andreas Tristram, der in seinem Kabarettprogram gleich in verschiedene Rollen schlüpft. Als Hartz-IV-Empfänger berichtet er darüber, wie man sich im Blinddarm der Gesellschaft fühlt und in der Rolle eines Zeitarbeitagentur-Inhabers beleuchtet Tristram bissig, wie wenig es auf dem Arbeitsmarkt um den Menschen geht und was ein Mensch wert ist. Und zwar in Euro.
Mit Gitarre, Bass, Percussion und viel Gesang interpretieren Acoustic Six bekannte und beliebte Hits aus fast allen Musikrichtungen auf ihre eigene, ganz besondere Art und Weise. Unaufdringlich und doch unterhaltsam und anspruchsvoll wechseln sich Rock- und Pophits mit Balladen und Schmusesongs ab.
Bereits zum zweiten Male sind Marco Launert und Christin Bastijans, alias Silver Falcons, Gäste des Jour Fixe. „Hier hören die Menschen endlich mal zu,“ so der Kommentar Launerts nach dem letzten Jour Fixe. Bemerkenswert ist die Songauswahl der beiden Hamminkelner, die sich die Perlen aus 60 Jahre Musikgeschichte herauspicken und in ein Wechselbad der Eindrücke verwandeln. In einem Moment fühlt sich der Zuhörer in einen Jazz-Keller der 50er-Jahre versetzt, im nächsten Moment scheint man mitten in einem Rock-Konzert gelandet zu sein.
Henning Neidhardt & Manon Tefert sind Schüler des Jazz- und Popularbereichs der Musikschule Bocholt. Die beiden haben bereits einige Erfolge aufzuweisen, u. a bei „Jugend musiziert“. Sie bieten aktuelle Songs ebenso, wie Soul-Nummern aus den 60er / 70er-Jahren, sanfte Jazz-Balladen und lassen die Swing-Ära auf ihre ganz eigene Art wieder aufleben.
Noch mehr Infos zu den Künstlern finden Sie unter „Termine“. Und falls das Fernsehprogramm wieder mal nur Blödsinn bietet, klicken Sie doch mal auf unseren YouTube-Kanal und schauen, was „unsere Schützlinge“ so drauf haben.

Vor dem nächsten Jour Fixe gibt’s am 27. Januar noch ein abendfüllendes Konzert mit Chris Paus zusammen mit Niclas Flöer und Thomas Englmann sowie am 2. Februar ein Konzert mit „Feathertone“, welches wir Ihnen ebenfalls wärmstens empfehlen möchten.

Bis dahin wünscht die Fabi Bocholt und das Team des Jour Fixe allen ein frohes und gesegnetes Weichnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2012.

„Wir haben Klischees zu bedienen“

Letzter Jour Fixe vor der Sommerpause bot XXL-Programm

„Dieses Lied habe ich mir kürzlich selbst ausgedacht und, weil ich es so schön fand, möchte ich es nochmal hören. Deshalb spiele ich es jetzt“, scherzte Theo Theissen und spielte am Clavinova ein Werk, das von großer Musikalität zeugte. Der pianistische Autodidakt spielte außerdem mit viel Virtuosität Boogie Woogies, Ragtime und Stücke aus den 20er Jahren. So erntete er große Anerkennung beim Publikum, welches diese mit reichlich Applaus unterstrich.

Als „Pech Haben“, Inhaber einer Zeitarbeitsfirma, stellte sich Kabarettist Andreas Tristram zum ersten Mal einem Publikum vor und präsentierte Teile aus seinem Solo-Programm „Die Hoffnung ist tot“. „Mit Hartz-IV-Empfängern kann’se kein Geld verdienen. Ist doch besser, ich gebe die Arbeitskraft, sagen wir mal, meinem Bruder, der eine eigene Firma hat. Für zwanzig Euro die Stunde. Davon gebe ich dem Arbeiter 6,50 Euro. Bei 100 Arbeitern, wat meinen’se wat da zusammenkommt!“ Bissig stellte er den vorherrschenden Umgang mit Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern dar.

Mit seiner Diabolo-Jonglage vom allerfeinsten heimste Martin Niehuis einen Szenenapplaus nach dem anderen für sich ein. Scheinbar magisch, als seien die Gesetze der Physik für einen Moment ausser Kraft gesetzt, bewegte er die Halbkugel-Diabolos über das zwischen den Handstöcken gespannte Seil und wirbelte sie durch die Luft.

Mona Ehlen, Mona Theyssen und Frederik Theyssen brachten instrumentale Songs und Gesangsstücke auf die Bühne. So z. B. „Nothing else matters“ von Metallica. Mit Piano, E-Gitarre und die Melodie-Linie auf der Violine gespielt entstand ein nicht alltäglicher, doch interessanter Sound, der dem Rock-Klassiker neues Leben einhauchte.

Da sich die „Silver Falcons“, aufgrund eines weiteren Auftritts vor dem Jour Fixe, etwas verspäteten, überbrückte vor der Pause Theo Theissen mit seinen Klavierkünsten.

Dann endlich waren sie da: Marco Launert und Christin Bastijans präsentierten Songs wie „Wicked Game“ von Chris Isaak oder „Perhaps, perhaps, perhaps“, das der Kubaner Osvaldo Farrés 1947 in spanisch (Quizás, quizás, quizás) schrieb und welches schon von Nat King Cole oder Doris Day interpretiert wurde. Dabei bestach nicht nur die von Marco Launert routiniert virtous gespielte Gitarre, sondern vor allem die ausdrucksstarke Stimme von Christin Bastijans. Bastijans versteht es ausgezeichnet, die Emotionen eines Songs über ihre Stimme zu transportieren. Trotz der Zugabe „Nobody’s Wife“ von Anouk war der Auftritt der beiden viel zu schnell vorüber.

Doch wurde das Publikum von einem weiteren Highlight belohnt: Tribe Mayura, die mit „Tribal Style“ Tänze, vorwiegend aus dem orientalischen Raum, auf die Bühne brachten. Ein Augenschmaus, den man gesehen haben muss. Da die Damen sich für den zweiten Teil ihrer Vorführung umziehen mussten, kam Kabarettist Andreas Tristran ein weiteres Mal auf die Bühne. Diesmal als besoffener Hartz-IV-Empfänger, der sich über das Bild, dass die öffentliche Meinung von Hartz-IV-Empfängern hat, aufregte. „Wir haben Klischees zu bedienen. Ich habe mich gefälligst in der Öffentlichkeit negativ auffallend zu verhalten.“ Ein Beitrag, der weniger zum Lachen anregte, jedoch nachdenklich stimmte, was auch durchaus das Ziel des Künstlers war.

Nach einem weiteren Intermezzo durch Theo Theissen am Piano, brachten „Tribe Mayura“ den zweiten Teil ihres Programms. Natürlich wurden auch sie vom begeisterten Publikum nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen.

Das umfangreiche und äußerst abwechslungsreiche Programm dieses Abends verlangte ausgeprägtes Sitzfleisch beim Publikum, denn das Ende war erst gegen 23 Uhr.

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Hier geht’s zum Video-Nachbericht von BBV-TV.